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Hat die Menschheit göttliche Vorfahren?


Helena Petrowna Blavatsky
Die Frage nach dem Ursprung und der Entstehung des Menschen berührt noch immer eines der größten Rätsel moderner Wissenschaft. Angefangen beim Urknall, bleibt die Frage offen: Wie kamen wir aus dem „Nichts“? Wie konnten wir uns aus toter Materie entwickeln und schließlich von einem Einzeller zu einem selbstbewußt denkenden Menschen evolvieren? Obwohl diese Gedankenakrobatik so ungeheuerlich ist, daß sie menschlicher Intuition Gewalt antut, stehen „Urknall“ und „Darwinismus“ immer noch wie „heilige Kühe“ da, die nicht geschlachtet werden dürfen.
Zu ganz anderen Erkenntnissen kamen die großen Denker des Altertums. Sie berichten übereinstimmend von göttlichen Vorfahren, die in grauer Vorzeit jedem Volk vorstanden. Ihnen zufolge reicht die Evolution des Menschen weit in die Äonen der Vergangenheit zurück und macht auch nicht bei seiner Zukunft halt. Der folgende Auszug gibt einen kleinen Einblick in unsere Vergangenheit, in längst vergessene Kulturen, in denen wir unseren geistigen Ursprung haben.


Göttliche Dynastien
Unsere Rassen – das zeigen alle Nationen – sind aus göttlichen Rassen entsprungen, mit welchen Namen auch immer sie benannt werden mögen. Ob wir uns mit den indischen Rishis oder Pitris beschäftigen; mit den chinesischen Chim-nang und Tschan-gy – ihren „göttlichen Menschen“ und Halbgöttern; mit den akkadischen Dingir und Mul-lil – dem schöpferischen Gott und den „Göttern der Gespensterwelt“; mit den ägyptischen Isis-Osiris und Thot; mit den hebräischen Elohim; oder mit Manco-Capac und seiner peruanischen Nachkommenschaft – die Geschichte ist nirgends verschieden.
Jede Nation hat entweder die sieben und zehn Rishi-Manus und Prajâpatis; die sieben und zehn Ki-y; oder zehn und sieben Amshaspends (sechs exoterisch); zehn und sieben chaldäische Annedoti; zehn und sieben Sephiroth usw. Eins und alle sind abgeleitet von den ursprünglichen Dhyân-Chohans der esoterischen Lehre; oder den „Bildnern“ der Strophen von Band I (der Geheimlehre). Von Manu, Thot-Hermes, Oannes-Dagon und Edris-Enoch herab bis auf Plato Panodorus erzählen alle von sieben göttlichen Dynastien, von sieben lemurischen und sieben atlantischen Abteilungen der Erde; von den sieben ursprünglichen und dualen Göttern, die von ihrem himmlischen Aufenthalt herabsteigen und auf Erden regieren und die Menschheit Astronomie, Architektur und alle anderen Wissenschaften lehren, die auf uns herabgekommen sind. Diese Wesen erscheinen zuerst als Götter und Schöpfer; dann tauchen sie in dem entstehenden Menschen unter, um schließlich als „göttliche Könige und Herrscher“ aufzutauchen.
So erzählt nicht nur Herodot, „der Vater der Geschichte“, von den wunderbaren Dynastien der Götter, die dem Reich der Sterblichen vorangingen und denen die Dynastien der Halbgötter, Heroen und schließlich der Menschen folgten. Diodor, Eratosthenes, Plato, Manetho usw. wiederholen dieselbe Geschichte und weichen niemals von der gegebenen Reihenfolge ab.
Die Chronologie der göttlichen Könige und Dynastien ist, wie die des Alters der Menschheit, immer in den Händen der Priester gewesen und vor den profanen Mengen geheimgehalten worden.
Obwohl nun Afrika als ein Kontinent, wie es heißt, vor jenem von Europa erschien, kam es doch später empor als Lemurien und selbst als die früheste Atlantis. Die ganze Gegend des heutigen Ägyptens und der Wüsten war einstmals vom Meer bedeckt. Dies wurde erstens durch Herodot, Strabo, Plinius und andere bekannt gemacht, und zweitens durch die Geologie. Abessinien war einstmals eine Insel, und das Delta war das erste Land, das von den vorangehenden Auswanderern besetzt wurde, die mit ihren Göttern aus dem Nordosten kamen.

Wann war das? Die Geschichte schweigt über diesen Gegenstand. Glücklicherweise haben wir den Tierkreis von Dendera, die Planisphäre an der Decke eines der ältesten ägyptischen Tempel, zum Bericht der Tatsache. Dieser Tierkreis mit seinen geheimnisvollen drei Jungfrauen zwischen dem Löwen und der Waage hat seinen Ödipus gefunden, um das Rätsel seiner Zeichen zu verstehen und die Wahrhaftigkeit jener Priester zu rechtfertigen, die Herodot sagten, dass ihre Initiierten lehrten:
a) dass die Pole der Erde und der Ekliptik früher zusammengefallen seien und
b) dass selbst seit dem Beginn ihrer ersten zodiakalen Aufzeichnungen sich die Pole dreimal in der Ebene der Ekliptik befunden hätten.

Geboren ohne das Dazwischentreten eines Weibes
Nahezu fünfhundert Jahre vor der gegenwärtigen Zeitrechnung zeigten die Priester von Ägypten Herodot die Statuen ihrer menschlichen Könige und Oberpriester – Piromis – der Erzpropheten oder Mahâ-Chohans der Tempel, geboren einer vom andern ohne das Dazwischentreten eines Weibes – die vor Menes, ihrem ersten menschlichen König, regiert hatten. Diese Statuen, sagt er, waren ungeheure Kolosse aus Holz, dreihundertundfünfundvierzig an der Zahl, von denen ein jeder seinen Namen, seine Geschichte und seine Annalen hatte. Sie versicherten auch dem Herodot, daß kein Geschichtsschreiber jemals einen Bericht über diese übermenschlichen Könige schreiben könne, wenn er nicht die Geschichte der drei Dynastien studiert und gelernt habe, die der menschlichen vorangingen – nämlich der Dynastien der Götter, der Halbgötter und der Heroen oder Riesen. Diese „drei“ Dynastien sind die drei Rassen.
In die Sprache der esoterischen Lehre übersetzt, wären diese drei Dynastien auch jene der Devas, der Kimpurushas und der Dânavas und Daityas – Götter, himmlische Geister und Giganten oder Titanen.
Nur eine solche Auffassung kann den Menschen zur Bildung einer richtigen Schlussfolgerung über seinen Ursprung und die Entstehung von jedem Ding im Weltall führen – von Himmel und Erde, zwischen denen er ein lebendiges Bindeglied ist. Ohne ein solches psychologisches Bindeglied und die Empfindung seiner Gegenwart kann keine Wissenschaft jemals fortschreiten, und der Bereich der Erkenntnis muss auf die Analyse der physikalischen Materie allein beschränkt bleiben.
Platos göttliche Dynastien