Die Wiedergeburt des Goldenen Zeitalters
Bevor Sie mit dem Lesen des Artikels beginnen, schließen Sie bitte für einige Minuten die Augen und malen sich aus, wie Sie sich das Paradies vorstellen. Wie sollte Ihr „Goldenes Zeitalter“ aussehen, welche Landschaft gehört dazu, welches Klima, wie sollten sich die Menschen verhalten und die Tiere, welche Feste werden gefeiert, welche Arbeiten verrichtet, was sollte es geben und was nicht. Erst wenn Sie Ihr persönliches Paradies vor Augen haben, lesen Sie im Artikel weiter.
Über einige Punkte wären sich wahrscheinlich alle Menschen einig: Frieden und Harmonie zwischen den Menschen, reichlich Nahrung für Körper und Seele, Liebe und Zuwendung, Freiheit von Krankheit und Schmerz, erfüllende Sexualität, kein Zwang zur Arbeit, sondern Beschäftigungen zu unserem Vergnügen, Feiern und Feste, Sport, Tanz und Musik. So stellen wir uns das Paradies vor.
Woher kommt es, dass mehr oder weniger die selben Vorstellungen in uns Allen verankert sind? Ist es möglich, dass tief in unserem Inneren die Erinnerung an eine wundervolle Zeit liegt, die einst tatsächlich existierte?
Das Paradies auf Erden
Ob Hesiod, der ein Goldenes Zeitalter unter dem Gott Kronos beschreibt oder Platon, Ovid in seinen Metamorphosen oder der griechische Philosoph Empedokles, sie berichten alle von einer Zeit, in der die Menschen in Frieden und Eintracht lebten, Feste feierten und sorglos waren, die Erde reichlich Früchte spendete, so dass es keinen Ackerbau gab, die Menschen noch keine Tiere aßen und unbekleidet gingen, da ein mildes Klima dies erlaubte. Alle diese Berichte erzählen von wirklich existierenden paradiesische Zuständen in vergangener Zeit.
Wie lebten die Menschen vor 5000 Jahren? Mit Marion Ritz-Valentin dürfen wir uns in ihrem Buch „Die Wiedergeburt des Goldenen Zeitalters“ auf den Weg in diese Zeit machen und begegnen Menschen, die vor Vitalität und Glück strahlen, die noch keine Angst kennen, weil sie sich mit Allem was war verbunden fühlen. Als Teil des großen Ganzen, mit Vater Himmel und Mutter Erde eins, fürchten sie sich nicht vor Naturgewalten, weil ihnen diese bekannt sind und sie mit ihnen umgehen können. Sie beobachten die Natur und ihren ständigen Wandel. Tod und Erneuerung sind für sie selbstverständlich. Sie wissen, dass eines aus dem anderen hervorgeht, ineinander übergeht und alle am großen Kreislauf teilhaben, als Teil des Ganzen niemand und nichts abgespalten ist.
Es gibt eine allgegenwärtige Geborgenheit, Zugehörigkeit zum Alleinen und dies wird täglich gelebt und in besonderen Ritualen gefeiert. Überfluss gibt es überall. Jeder teilt mit jedem, was allen gehört. Es ist undenkbar, dass jemand einem anderen etwas nimmt oder Menschen wegen eines Makels ausgegrenzt werden, weil alle gleichberechtigt sind. Niemand erleidet Mangel, weil es keinen Privatbesitz gibt, keine Anhäufung auf einer Seite, die den Mangel auf der anderen Seite bedingt. Alle sind göttliche Kinder einer allgegenwärtigen reichen und gesunden Natur. Das Leben gleicht einem ewigen Fest.
Fruchtbarkeitsfeste und Sexorgien
Sexualität wird als Fruchtbarkeitsritual gelebt und gefeiert, als schöpferischer Ausdruck der allgegenwärtigen Göttlichkeit, wobei sich die männliche Göttlichkeit mit der weiblichen Göttlichkeit vereinigt, öffentlich und in allgemeiner Ekstase. Frauen sind kein Privatbesitz und Männer werden nicht mit Eifersucht verfolgt. Die heilige Hochzeit gilt als wichtigstes Fest des Jahres, als mystische Verbindung zwischen Himmel und Erde. Menschen schmücken ihre nackten Körper mit natürlichen Materialien und Malereien, bemalen ihre Haut mit Symbolen, die Kraft und Energie geben und ihre Sinnlichkeit fördern. Es geht um die Liebe zwischen dem weiblichen und dem männlichen Prinzip, die durch die jeweiligen Partner präsentiert und gelebt wird. Diese Sexualität ist heilig und darum weniger eine persönliche Angelegenheit.
Alles Weibliche steht stellvertretend für die große Mutter, die Erdgöttin, die alles erschaffen hat und am Leben erhält, nährt und Lebenskraft spendet. Die Erdgöttin wird in der Landschaft verehrt. In Hügeln, Flussläufen und Höhlen begegnen Menschen ihrem Ausdruck und zeigen ihre Liebe in Zeremonien und rituellen Bräuchen. Sie singen, trommeln, tanzen und folgen den Energielinien auf der Haut der Erde. So verbinden sie Naturheiligtümer über viele Kilometer hinweg. Wege dienen als Pilgerwege, um spirituelle Stätten miteinander zu verbinden und Informationen auszutauschen.
Im Frühjahr wird dem Fruchtbarkeitsgott durch öffentliche Orgien gehuldigt, wobei Frauen und Männer sich öffentlich rituell vereinigen, von Musik, Tanz und Gesang begleitet, um die lebensspendende Fülle allseits zu fördern und zu feiern. Da das Geheimnis des Lebens im Uterus verborgen liegt, ist das Eindringen des Mannes in die Frau eine heilige Handlung. Er spendete seinen heiligen Samen, um die Fruchtbarkeit, die in der Frau liegt, wach zu rufen.
Die Griechen und der Verfall
„Wir können die erfüllende Lebensfreude der damaligen Sexualität nur erahnen, wenn wir uns vorstellen, wie viel Energie gebunden wird durch Angst und Misstrauen, die heute zwischen den Geschlechtern herrschen, und wie es wäre, wenn diese wegfielen und die Lebensenergie frei fließen könnte.“
Mit der Unterwerfung der friedlichen Völker durch die Griechen, die unfähig waren, Frauen als ebenbürtig anzusehen, begannen die sexuellen Probleme.
Weibliche Sexualkraft wird von einem patriarchalischen System als bedrohlich empfunden, weil es sich um eine große Kraft aus dem tiefen Innern handelt, die unser Leben und Handeln bestimmt. Daher wird sie in männlich orientierten Gesellschaften immer unterdrückt und begrenzt.
Freies Denken und Handeln wurde mit dem Erscheinen der Griechen durch Kontrolle ersetzt, die Erdgöttinnen wurden bekämpft und frei gelebte spirituelle Sexualität verboten und in den Schmutz gezogen. Düstere Zeiten brachen an, in denen das vorher freudvolle verunglimpft wurde und Misstrauen und Angst sich ausbreiteten. Diese Angst verhinderte einen liebevollen Austausch unter den Menschen. Liebe wurde und wird heute immer noch aus Angst vor Verletzung zurückgehalten. Doch wer sich nicht in Liebe geborgen fühlt, fühlt sich auch auf der Erde nicht geborgen und nicht wirklich wohl in seinem Leben.
Lillith, die erste Frau Adams
Ishtar, der Venusstern und das Symbol der großen Göttin, wurde zu Ashera und findet in alten Texten Erwähnung als Lillith-Ashera, der ersten Frau Adams, die sich weigerte, unter ihm zu liegen und ihn deshalb verließ. Das beginnende Patriarchat erklärte sie deshalb zur bösen Dämonin, der ewige Strafe widerfährt. Lillith wusste noch, dass die Frau die Energie des rituellen Beischlafs am besten lenken kann, wenn sie sich in einer aufrechten Position befindet. Jedes Frühjahr gebar sie den Vegetationsgott, mit dem sie jeden Sommer heilige Hochzeit hielt und der jeden Winter starb, um im darauf folgenden Frühjahr wieder aufzuerstehen. Dieser Stiergott trug den Namen El-Baa-Jahwe. Später sollte er die Göttin verdrängen und zum alleinigen Gott werden.
Während die Göttin mit roten Rosen als Liebessymbol geehrt wurde, deutete Martin Luther die Blütenblätter zu Wundmahlen Christi um. Aus Lust wurde Schmerz.
Der Auszug aus dem Paradies ging einher mit der Leugnung der sexuellen Ekstase als spirituelle Erfahrung und setzte sich in der Verdammung der Sexualität fort, die ab sofort nur noch hinter verschlossenen Türen stattfinden durfte.
Doch die Sehnsucht der Menschen hielt die Erinnerung an einstige glückliche Zeiten lebendig.
Zeit für den Wandel
Glücklicherweise verlassen wir gerade diese düstere Zeit und sehen besseren Zeiten entgegen, in denen Frauen und Männer wieder beginnen, gemeinsam ihr Dasein in allen Facetten zu genießen. Wer von uns wünscht sich nicht, in paradiesischen Zuständen zu leben? Doch bedenken wir auch, dass es keine Wiedergeburt des goldenen Zeitalters geben kann, wenn wir es nicht in uns selber entstehen lassen. Das können wir heute schon tun und leben, als wäre das Goldene Zeitalter bereits allgegenwärtig.
„Wir sind im innersten Wesenskern gut und von göttlicher Kraft.“
Wenn es uns gelingt, zu unserem wahren göttlichen Wesen vorzustoßen, helfen wir damit nicht nur uns, sondern unserer Familie und ebenso der ganzen Welt. Wir können sofort für die Wiedergeburt des Goldenen Zeitalters in uns sorgen und Verhältnisse schaffen, in denen sich Frauen und Männer mit Achtung und Liebe begegnen, Lust in Verbindung zur spirituellen Ebene leben und wertvolle Lebensenergie fließen lassen, wenn wir wieder lernen, uns für Freude und Liebe zu öffnen. Liebe ist das Grundprinzip unseres Lebens, des Lebens aller Tiere, Pflanzen und der Erde selbst. Wenn es uns gelingt, uns auf dieses Grundprinzip einzustimmen, sorgen wir dafür, dass sich paradiesische Zustände in und um uns ausbreiten.
Wer sich selber verändert, verändert dadurch die Welt.
Wir können sofort damit beginnen:
Schließen wir Frieden mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Schauen wir menschlich und mit Humor auf unsere Schwächen und die der anderen. Versuchen wir, ganz aus unseren inneren Herzen heraus mit den Menschen zu kommunizieren. Stellen wir uns vor, wie aus unseren Herzen goldene Fäden zu allen Wesen führen, bis alle miteinander verbunden sind und ein goldenes Gitternetz die Erde bedeckt. Wenn wir uns mit allem verbunden fühlen, können wir einander kein Leid antun.
Die meisten von uns sind mit der Vorstellung groß geworden, nicht gut genug zu sein. Immer waren es die Anderen, die wissender, besser und darum liebenswerter waren. Weil wir uns selbst nicht liebenswürdig fühlen, können wir auch unsere Partner nicht hingebungsvoll und frei lieben. So wird unser Sicherheitsdenken den freien Fluss der Energien begrenzen und beschränken. Heilen wir unsere Traumen, die manchmal seit Generationen bestehen, so werden wir wieder über unsere ursprüngliche Energie verfügen. Mit jeder geheilten Verletzung kann sich unser Herz weiter dem Leben und der Liebe öffnen.
Lassen wir Freude in unser Leben, wo und wann immer es möglich ist, genießen wir die Tage, entfalten wir unsere Sinne und bewegen wir uns mit Vergnügen in freier Natur. Machen wir ein Fest aus jeder Mahlzeit und feiern wir mit unserem geliebten Menschen eine vom Göttlichen gesegnete Sexualität. Fühlen wir wieder, wie wir in den ewigen Kreislauf eingebunden sind und alle zueinander gehören inmitten des natürlichen Reichtums auf der Erde.
„....Wirf dich in den Fluss der Liebe. Sie wird dich tragen. Wenn wir uns wahrhaftig öffnen, wird uns geholfen werden.“
Heidi Prohl
Empfohlene Literatur:
„Die Wiedergeburt des Goldenen Zeitalters“ von Marion Rotz-Valentin
Verlag Neue Erde 2009
ISBN 978-3-89060-535-7
